Meerbusch,
16
März
2017
|
00:00
Europe/Berlin

KYOCERA CeBIT Countdown #5

Kommende Woche startet in Hannover die CeBIT 2017, deren Partnerland Japan ist. Im letzten Teil unseres CeBIT-Countdowns wirft die Japanologin Elisabeth Scherer einen Blick auf die japanische Bonsai-Kultur. Weitere Informationen, worauf Sie im geschäftlichen Umgang mit anderen Kulturen achten müssen, erfahren Sie in unserem E-Book "Andere Länder - Andere Sitten", das Sie kostenloss hier herunterladen können. 

BONSAI: KLEINER BAUM GANZ GROSS

Bonsai verlangen Ausdauer, versprechen dafür aber Schönheit, Beständigkeit und steigenden Wert. Was in Japan heute eher als Nischenhobby gilt, hat sich international zu einem veritablen Business entwickelt. Als Geldanlage sind die Miniatur-Bäume aber nur in Verbindung mit dem nötigen Know-How zu empfehlen.

Ein Bonsai kann die Kraft haben, den Betrachter ganz in seinen Bann zu ziehen: Mit der langen Geschichte, die seine knorrige Form widerspiegelt, mit der Anmut seiner zierlichen Gestalt und mit den Assoziationen, die er weckt. Die durch Künstlerhand geformten Zweige lassen an sturmgepeitschte Felslandschaften denken, an Blütenhaine oder lauschige Wäldchen. Besonders wertvolle Exemplare können hunderte Jahre alt sein, aber auch jüngere Bäumchen ab etwa 15 Jahren weisen schon interessante Formen auf, wenn sie die richtige Pflege genossen haben.

Für Menschen mit Geduld und Visionen

Mit dem, was man hierzulande im Baumarkt erwerben kann, haben japanische Bonsai wenig zu tun: Sie sind keine Zimmerpflanzen, sondern Bäume wie Kiefer, Ahorn, Lärche oder Ulme, die durch spezielle Techniken klein gehalten werden. Platziert werden sie im Garten, wo sie dem Wetter ausgesetzt sind und sich dem Lauf der Jahreszeiten entsprechend entwickeln. Theoretisch können jedoch alle Pflanzen, die verholzen, zu Bonsai gestaltet werden – sofern sie regelmäßig geschnitten, gedüngt und umgetopft werden. Die Form der Äste wird durch das vorübergehende Anbringen oder Spannen von Draht beeinflusst. Durch die Beschäftigung mit einem Bonsai über viele Jahre lernt der Besitzer dessen Eigenschaften und Bedürfnisse kennen und entwickelt eine Vision davon, wie sich dessen Gestalt entwickeln kann.

Heute gelten Bonsai vor allem als japanische Kunstform, ursprünglich entwickelt hat sich diese Praxis allerdings in China. Von dort kam sie vor etwa 1000 Jahren nach Japan, wo sie über Jahrhunderte nur in den höchsten Gesellschaftsschichten praktiziert wurde und erst in der Edo-Zeit (1603–1868) populärer wurde. Die Bonsai-Kultur wie wir sie heute kennen entwickelte sich im 19. Jahrhundert, als Japan in Kontakt mit dem Westen kam und eine rapide Modernisierung einsetzte.

Kleine Bäume als Kulturgut

In Anbetracht der großen Veränderungen dieser Zeit unternahm Japan Bemühungen, die eigene Kultur von der westlichen abzugrenzen und die Besonderheit des Japanischen hervorzuheben. Auf Weltausstellungen präsentierte Japan so zum Beispiel buddhistische Objekte, Keramik und Gartenkunst. Auch Bonsai wurden nun erstmals als eigenständige Kunstform vorgestellt, und das Interesse im In- und Ausland durch Publikationen und Ausstellungen geweckt. Mehr und mehr Menschen interessierten sich für die Miniatur-Bäume, und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten sich die Technik des „Drahtens“ und eigene Werkzeuge für die Bonsai-Pflege.

Bonsai können lebenslange Begleiter sein, und in Japan gibt es Bäume, die über Generationen in einer Familie verweilen – es gibt in Japan wohl kaum ein schöneres Erbstück als eine schon von den Vorfahren liebevoll gepflegte Pflanze. Dennoch sind Bonsai heute kein sehr verbreitetes Hobby mehr im Land der aufgehenden Sonne: Immer weniger Familien haben einen Garten, und die Bäume verlangen viel Aufmerksamkeit, was vielen zu aufwändig ist. So sind Bonsai in Japan in den Ruf geraten, vor allem eine Freizeitbeschäftigung für wohlsituierte ältere Herren zu sein. Dennoch sind die Bäumchen nicht aus der Mode, sondern haben im Gegenteil seit den 1980er Jahren einen globalen Siegeszug angetreten.

Immer mehr Menschen in Europa und den USA begeistern sich für die Aufzucht, die Pflege und das Sammeln von Bonsai. Auf der ganzen Welt gibt es Bonsai-Händler, Vereine und Kurse, in denen das nötige Handwerk vermittelt wird. Dies hat dazu geführt, dass japanische Bonsai-Züchter verstärkt den internationalen Markt bedienen. Der Umsatz mit dem Export von Topfpflanzen ist seit 2004 unter anderem durch diese Entwicklung um das neunfache angestiegen.

Mit Zeitwert

Mittlerweile wird der Bonsai-Kauf auch als eine Form der Geldanlage gesehen, die gute Wertsteigerungen verspricht. In Japan gibt es Exemplare, die umgerechnet hunderttausende von Euro wert sind, hierzulande findet man immerhin Bäume, die in die Tausende gehen. Allerdings muss man sich bei der Investition in einen lebenden Baum bewusst sein, dass dieser auch eingehen kann. Und wenn man selbst die notwendigen Pflegetechniken nicht beherrscht, muss man sein kostbares Gut regelmäßig von einem Experten bearbeiten lassen, sonst verliert es schnell an Form und Wert. Eine echte Bonsai-Leidenschaft entwickelt sich wohl eher durch einen langsamen Einstieg mit einem jungen Bäumchen, dessen Entwicklung man Jahr für Jahr begleitet. Über die Pflege kann man sich in Arbeitskreisen austauschen, die im Bonsai-Club Deutschland organisiert sind.

Die Faszination der Bonsai hat auch viel damit zu tun, dass Menschen in ihnen etwas Exotisches, Spirituelles und besonders „Asiatisches“ sehen. Wie die Geschichte der Miniatur-Bäume zeigt, sind sie jedoch vor allem etwas, das im Austausch der Kulturen gedeiht und dabei immer wieder neue Gestalt annimmt. In Deutschland kann man so heute sehr schöne Exemplare bewundern, die Bonsai-Pioniere vor Jahrzehnten angepflanzt haben – aus heimischer Buche, Birke oder Eiche.

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