15
Februar
2017
|
16:00
Europe/Berlin

KYOCERA CeBIT17 Countdown #01

Vom 20. bis 24. März 2017 wird KYOCERA Document Solutions auf der CeBIT in Halle 3, B20 seine Workflow-Lösungen präsentieren. Da Japan in diesem Jahr Partnerland der CeBIT ist, möchten wir als japanisches Unternehmen bis dahin das Land der aufgehenden Sonne etwas genauer vorstellen. Dazu wirft die Japanologin Elisabeth Scherer jeden Mittwoch einen Blick auf japanische Gepflogenheiten. In Folge 1 geht es um die Frage, welche Rolle das Fernsehen für den technologischen Fortschritt Japans und auch von KYOCERA  spielte. Weitere Informationen, worauf Sie im geschäftlichen Umgang mit anderen Kulturen achten müssen, erfahren Sie in unserem E-Book "Andere Länder - Andere Sitten", das Sie kostenloss hier herunterladen können. 

DIE PRINZESSIN, DER WRESTLER UND DIE RÖHRE

Anfang der 1950er Jahre war das Leben für eine normale Familie in Tokyo noch von Entbehrungen geprägt: Das Essen war spärlich, man wohnte auf engstem Raum zusammen und in fast jeder Familie gab es Tote durch den Krieg zu beklagen. Nur ein Jahrzehnt später genossen Vater, Mutter und Kind die Annehmlichkeiten des modernen Lebens, versammelten sich gemeinsam vor dem häuslichen Fernseher und tranken dazu erfrischende Getränke aus dem Kühlschrank. Elektrogeräte wurden zum Symbol des Wiederaufbaus, ebenso wie der Tokyo Tower, dessen rot-weißes Stahlgerüst von 1957 bis 1958 langsam emporkletterte und mit über 330 Metern schließlich zum damals höchsten Fernsehturm der Erde heranwuchs.

Fernsehen war in Japan ab 1953 möglich: Der staatliche Sender NHK startete seinen Sendebetrieb im Februar, und ein halbes Jahr später folgte der erste Privatsender Nihon Terebi. Die Einschaltquoten dürften jedoch äußerst gering gewesen sein, denn NHK hatte damals nur Verträge mit etwas mehr als 800 Haushalten. Ein Fernsehgerät kostete anfangs fast so viel wie ein einfaches Haus, was die Zielgruppe für dieses Produkt naturgemäß sehr einschränkte. Matsutarô Shôriki, der Gründer von Nihon Terebi, schaffte Abhilfe: Er ließ 220 Fernsehgeräte an öffentlichen Orten in Tokyo installieren – an Straßenecken, in Bahnhöfen, Parks und sogar auf dem Gelände von buddhistischen Tempeln. Vor diesen „Open-Air-Fernsehern“ versammelten sich täglich über 100.000 Menschen, so dass es bis in die späten 1950er Jahre mehr Zuschauer auf der Straße gab als in Wohnhäusern. Man könnte sagen, in Japan wurde damals schon das „Public Viewing“ erfunden.

Die Erfindung des Public Viewing

Große Trauben von Zuschauern bildeten sich vor den Geräten vor allem bei Sportereignissen, die damals die beliebtesten Sendungen waren. Gebannt fieberten junge und alte Menschen mit, wenn der Wrestler Rikidôzan gegen seine düster inszenierten amerikanischen Gegner antrat und sie einen nach dem anderen mit seinem berühmten „Karate-Chop“ besiegte. Die Aufregung und der Andrang waren dabei so groß, dass die Fernsehansager regelmäßig Warnungen aussprechen mussten, damit die Zuschauer nicht auf Telegrafenmasten kletterten oder die Straßen blockierten.

„Japanische Produkte“ waren jedoch weder Wrestler noch Geräte: Rikidôzan war nordkoreanischer Abstammung – was er wegen Diskriminierungen verheimlichen musste –, und Shôriki hatte die Fernseher aus den USA importiert. Einige japanische Hersteller begannen noch im Jahr der ersten Fernsehausstrahlungen damit, selbst Geräte zu produzieren, darunter die Firma Sharp, die Ende 1953 immerhin schon eine Stückzahl von 500 pro Monat produzierte. Doch viele der verbauten Teile kamen immer noch aus dem Ausland.

Am Anfang war die Fernsehröhre

Die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Haushaltselektronik beobachtete auch ein junger Mann, der damals noch bei einer Isolatorenfirma in Kyoto angestellt war: Kazuo Inamori. Er erkannte den Bedarf an japanischen Bauteilen für Fernsehröhren und entwickelte einen U-förmigen Keramikisolator, dem er den Namen „Kelcima“ gab. Mit diesem kleinen Bauteil und 27 Kollegen legte Inamori im April 1959 den Grundstein für die Firma Kyocera. Monatlich produzierten sie mit diesen einfachen Mitteln 200.000 Stück Kelcima, die aufgrund der großen Nachfrage nach den mittlerweile günstiger gewordenen Fernsehgeräten reißenden Absatz fanden.

Verkaufsfördernd wirkte dabei auch eine Romanze: 1957 hatte der Kronprinz und heutige Kaiser Akihito die junge Michiko Shoda auf einem Tennisplatz kennengelernt. Michiko war gutaussehend, gebildet und humorvoll – und sie war eine Bürgerliche. Ihre Verlobung mit dem Prinzen, die Ende 1958 bekannt wurde, beflügelte die Phantasie junger Frauen in ganz Japan und ein wahrer „Michiko-Boom“ nahm seinen Lauf. Die Hochzeit am 10. April 1959 wurde zu dem medialen Großereignis der 1950er Jahre in Japan. Drei Sender, NTV, NHK und KRT konkurrierten um die Zuschauer und bemühten sich mit je rund 40 Kameras und zehn Übertragungswagen um die besten Bilder von der glamourösen Hochzeitsparade, bei der das Paar ganz im Stil westlicher Royals mit einer Pferdekutsche die Straßen von Tokyo entlangfuhr. 1200 Mitarbeiter der Sender waren vor Ort, unzählige Schienen wurden verlegt und Kräne aufgebaut. 15 Millionen Menschen sollen das Ereignis schließlich durch das Fernsehen erlebt haben, während vor Ort 500.000 Menschen an den Straßen standen und Michiko und Akihito zujubelten. „Das hübsche Mädchen im modischen westlichen Kleid ist durch den sagenumwobenen Chrysanthemenvorhang geschritten“, resümierte das Time Magazine danach.

Drei Schätze

Schon im April 1958 hatte es in Japan eine Million registrierte Fernsehgeräte gegeben, doch die Liebesheirat sorgte noch für weiteren Schwung: Im April 1959, als Kyocera den Betrieb aufnahm und die Hochzeit gefeiert wurde, waren es schon zwei Millionen, und im Oktober 1959 drei Millionen. Das Fernsehen war zu einem festen Bestandteil des Alltagslebens japanischer Familien geworden – und man sprach von den „drei heiligen Schätzen“: der Waschmaschine, dem Kühlschrank und dem TV-Gerät. Die Japaner wurden häuslicher, die Straßen Tokyos wieder sicher, und das „Public Viewing“ musste nun sehr lange auf seine Renaissance warten.

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