22
Februar
2017
|
10:00
Europe/Berlin

KYOCERA CeBIT17 Countdown #02

Vom 20. bis 24. März 2017 wird KYOCERA Document Solutions auf der CeBIT in Halle 3, B20 seine Workflow-Lösungen präsentieren. Da Japan in diesem Jahr Partnerland der CeBIT ist, möchten wir als japanisches Unternehmen bis dahin das Land der aufgehenden Sonne etwas genauer vorstellen. Dazu wirft die Japanologin Elisabeth Scherer jeden Mittwoch bis zur CeBIT einen Blick auf japanische Gepflogenheiten. In Folge 2 stellt sie eine Nische in der japanischen Arbeitskultur vor: Das Nomikai! Weitere Informationen, worauf Sie im geschäftlichen Umgang mit anderen Kulturen achten müssen, erfahren Sie in unserem E-Book "Andere Länder - Andere Sitten", das Sie kostenloss hier herunterladen können. 

NOMIKAI ODER DIE KUNST DER AUSGELASSENHEIT

Das Klischee vom japanischen Firmenangestellten ist das eines steifen, streng auf Hierarchie bedachten Anzugträgers. Aber es geht auch anders in der japanischen Geschäftswelt: Bei den sogenannten Nomikai hängen die Krawatten schief und die Zunge sitzt locker. 

Das Getränk der Wahl ist bei den Nomikai meist Bier, vor allem am Anfang, wenn alle gemeinsam anstoßen. Das Klischee vom japanischen Firmenangestellten ist das eines steifen, streng auf Hierarchie bedachten Anzugträgers. Aber es geht auch anders in der japanischen Geschäftswelt: Bei den sogenannten Nomikai hängen die Krawatten schief und die Zunge sitzt locker. Elisabeth Scherer stellt eine Nische in der japanischen Arbeitskultur vor, die auch bei KYOCERA in Japan sehr geschätzt wird.

Ausgelassen trinken, essen und plaudern – Nomikai sind Feiern mit den Kollegen, die in Japan fest zum Arbeitsleben gehören und schon so manchen westlichen Besucher in Staunen versetzt haben: Ist das wirklich der trockene, förmliche Typ von heute Nachmittag, der jetzt so vertraulich über seine Familie plaudert und mir auf die Schulter klopft? Wie Inseln liegen die Nomikai im rigiden Geschäftsalltag und bieten Ausgleich, Raum für etwas Zügellosigkeit und manchem auch eine Art Ersatzfamilie. „In diesen Runden habe ich Freundschaften gefunden und auch Trost, wenn ich mal Heimweh hatte“, berichtet mir ein deutscher Freund, der drei Jahre in Japan in einer japanischen Firma gearbeitet hat. Die Hierarchien, die sonst eine so große Rolle in japanischen Unternehmen spielen, werden bei den Nomikai für einen Abend weitgehend „geplättet“ und den Chef stört es nicht, wenn seine Angestellten mit der Krawatte um die Stirn auf dem Tisch tanzen – vielleicht ist er sogar selbst dabei. Am nächsten Tag ist dann Tabula rasa angesagt: Mit den Hierarchien kommt der normale Arbeitsalltag zurück, bis zum nächsten Nomikai.

Chance für informelle Gespräche

Typische Gelegenheiten für Firmen-Feiern sind die sogenannten Bônenkai am Jahresende, bei denen es dem Wortsinne nach darum geht, das Jahr zu vergessen, sowie Neujahrsfeste, Willkommens- und Abschiedsfeiern. Aber auch zu anderen Gelegenheiten wird in verschiedenen Zusammensetzungen gefeiert. Wenn Geschäftsreisende aus dem Ausland in den Genuss eines Nomikai kommen, ist das eine schöne Gelegenheit, die japanischen Kollegen und Kolleginnen besser kennenzulernen. Mit steigendem Alkoholpegel sinken auch die Hemmungen, die eigene Meinung kundzutun. Ein anderer deutscher Freund, der seit sechs Jahren in Japan arbeitet, sieht in den Firmenfeiern daher auch eine gute Gelegenheit, Themen informell „vorzubereiten“: „Wenn ich Urlaub haben möchte, streue ich erst einmal eine Anekdote bei einem Nomikai ein und komme dann später wieder darauf zurück.“

Nomikai bei Kyocera

Auch bei KYOCERA in Japan gehören Nomikai fest zur Firmenkultur und werden sogar von ganz oben gefördert. Kazuo Inamori, der 82-jährige Gründer der Firma, erklärte dies letztes Jahr in einem Interview mit der Zeitschrift Shûkan Asahi: „Wenn zwischen Vorgesetzten und Personal eine Vertrauensbeziehung herrscht, dann kann man auch deutlich sagen, was man denkt. Und die Stärkung der zwischenmenschlichen Beziehungen fängt damit an, dass man sich gegenseitig kennenlernt.“ Auch er habe daher früher viele solche Feiern besucht, um den Mitarbeitern seine Wertschätzung zu zeigen. Heute gibt es in der KYOCERA-Zentrale in Kyoto einen eigenen großen Raum, der für solche informellen Treffen reserviert ist. Sonst ist es eher üblich, gemeinsam in eine Kneipe zu gehen.

Japan ist ein Bierland

Das Getränk der Wahl ist bei den Nomikai meist Bier, vor allem am Anfang, wenn alle gemeinsam anstoßen. Bier wird in Japan schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebraut, wenn auch zunächst noch stark unter deutschem Einfluss, mit deutschen Rezepten und Zutaten und mit Hilfe deutscher Braumeister. Seit Ende des zweiten Weltkrieges hat sich das japanische Bier jedoch sozusagen „emanzipiert“, und Japan kann heute einen der vielfältigsten Biermärkte der Welt vorweisen. Bei den Firmenfeiern wird man meist eine der größten Marken Kirin, Asahi, Sapporo und Suntory antreffen. Zum guten Ton gehört es, sich aus den großen Flaschen (meist 633 ml) nicht selbst einzuschenken, sondern sich gegenseitig das Bier nachzufüllen. Dieser Brauch, oshaku genannt, lässt auch in dieser informellen Situation Hierarchien aufscheinen: Die Jüngeren schenken den Altgedienten ein und die Frauen den Männern. „Für die Frauen ist das aber auch ein Schutz“, erklärt einer meiner Freunde, „denn wer einschenkt, hat auch mehr Kontrolle über den Alkoholkonsum“.

Das schwere Los der deutschen Gäste

Wenn man als westlicher Besucher beim Feiern einen klaren Kopf behalten möchte, kann man auf die Gesundheit verweisen oder einfach nur hin und wieder am Glas nippen. Heikler wird es beim Essen. Da sollte man den unbekannten Köstlichkeiten zumindest eine Chance geben, denn das zeigt auch, dass man offen für die Kultur ist. Deutsche haben bei Nomikai oft eine besondere Rolle und müssen mit Ausflüchten beim Trinken besonders kreativ sein: „Vor allem deutschen Männern glaubt man nicht, dass sie keinen Alkohol vertragen“, berichten meine Freunde. Und am nächsten Tag wird dann erwartet, dass alle topfit sind – das ist wohl der Fluch der deutschen Braumeister.

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