02
März
2017
|
09:00
Europe/Berlin

KYOCERA CeBIT17 Countdown #03

Vom 20. bis 24. März 2017 wird KYOCERA Document Solutions auf der CeBIT in Halle 3, B20 seine Workflow-Lösungen präsentieren. Da Japan in diesem Jahr Partnerland der CeBIT ist, möchten wir als japanisches Unternehmen bis dahin das Land der aufgehenden Sonne etwas genauer vorstellen. Dazu wirft die Japanologin Elisabeth Scherer jede Woche bis zur CeBIT einen Blick auf japanische Gepflogenheiten. In Folge 3 geht es um den Zusammenhang zwischen Zen und Management. Weitere Informationen, worauf Sie im geschäftlichen Umgang mit anderen Kulturen achten müssen,  erfahren Sie in unserem E-Book "Andere Länder - Andere Sitten", das Sie kostenloss hier herunterladen können. 

ERFOLGREICH SITZENBLEIBEN

Mit östlicher Weisheit gegen den Stress unseres Geschäftsalltags – zahlreiche Ratgeber und Seminare versprechen mehr beruflichen Erfolg durch japanischen Zen-Buddhismus: Zen ist zwar gar nicht so „urjapanisch“ wie oft angenommen und auch kein Wundermittel zur Leistungssteigerung – für Führungskräfte kann es aber dennoch von großem Wert sein.

Zen-Praxis kann dazu beitragen, mehr Selbstdistanz, Bauch-Intelligenz, kreatives Denken, Wohlwollen und Geduld zu entwickeln.Mit östlicher Weisheit gegen den Stress unseres Geschäftsalltags – zahlreiche Ratgeber und Seminare versprechen mehr beruflichen Erfolg durch japanischen Zen-Buddhismus. Elisabeth Scherer gibt hier eine kleine Einführung und stellt fest: Zen ist zwar gar nicht so „urjapanisch“ wie oft angenommen und auch kein Wundermittel zur Leistungssteigerung – für Führungskräfte kann es aber dennoch von großem Wert sein.

Vor dem Frühstück eisern meditieren, dann rein in den Anzug und auf in den Geschäftsalltag – in der Zeit des japanischen Wirtschafts-Booms entwickelten sich im Westen viele Klischees, die den Erfolg des Managements in Japan erklären sollten. Zen-Praxis betreibt in Japan jedoch nur eine kleine Minderheit. Traditionell sind es die Mönche in Klöstern, die sich dem Zazen, dem langwierigen Sitzen in Stille, widmen. Dabei steht nicht das persönliche Streben nach Erfüllung oder Selbstverwirklichung im Vordergrund, sondern der Ausdruck der buddhistischen Wahrheit: Die Sitzhaltung imitiert den historischen Buddha im Stadium der Erleuchtung.

Die kulturelle Wanderschaft des Zen

Dass das Meditieren im Lotossitz heute weltweit den Alltag vieler Laien bereichert, ist der kulturellen „Wanderschaft“ des Zen zu verdanken, die Ende des 19. Jahrhunderts begann. Zentrale Figur ist dabei Daisetsu Teitaro Suzuki (1870–1966), der lange in den USA lebte, buddhistische Schriften auf Englisch verfasste und Zen praktisch neu erfand. Zen ist bei ihm ein persönlicher Weg zur Erleuchtung (satori), zu einer unbeschreiblichen Erfahrung, bei der sich „die Geist-Blüte plötzlich öffnet und das ganze Universum erleuchtet“. Zen wird offen für alle, jeder kann sich hinsetzen und beginnen. Viele andere japanische und westliche Zen-Lehrer haben diesen Ansatz aufgegriffen, zum Beispiel Shunryu Suzuki (1905–1971), der in den USA das erste Zen-Kloster außerhalb Asiens gründete und vom „Anfänger-Geist“ des Zen sprach: „Wenn Euer Geist leer ist, ist er stets für alles bereit; er ist offen für alles.“ Zen-Buddhismus wie er heute von Laien ausgeübt wird, ist also keine uralte, rein japanische Lehre, sondern eine im kulturellen Austausch entstandene Praxis. Und gerade in dieser Offenheit liegt auch eine Stärke des Zen.

Zen und Management

Was hat aber nun ein leerer Geist mit Management zu tun? Wenn der Ausgleich zwischen Privatem und Beruf immer schwerer fällt, der Kopf voll ist mit Zahlen und Statistiken oder das Verhältnis mit den Mitarbeitern an den Nerven zehrt, kann Zen dabei helfen, die eigene Mitte wieder zu finden. Zen ist dabei als Weg und Lebensphilosophie für Führungskräfte auch deshalb attraktiv, weil es einfach und schlicht daherkommt, eine gewisse Disziplin erfordert und sich damit von anderen spirituellen Richtungen abgrenzt. Innehalten lautet die Devise, manchmal auch für mehrere Tage, wenn man an einem sogenannten Sesshin teilnimmt, einer intensiven Phase der Übung.

Frühes Aufstehen, langes Sitzen und oft auch karges Essen sowie Schweigen können ganz schön anstrengen. Das alles auf sich zu nehmen, nur um noch mehr Leistung bringen zu können oder „Selbstoptimierung“ zu betreiben, macht wenig Sinn. Es geht um mehr: Die Zen-Lehrer Willigis Jäger und Paul Kohtes sprechen von einem neuen Bewusstsein unter Führungskräften, „das nicht mehr einseitig in äußerem Erfolg und im materiellem Gewinn sein Heil sucht, sondern gleichwertig nach Tiefe und Erfüllung strebt“. Zen-Praxis könne dazu beitragen, mehr Selbstdistanz, Bauch-Intelligenz, kreatives Denken, Wohlwollen und Geduld zu entwickeln. Menschen, die in ihrem Beruf große Verantwortung tragen, finden in Zen eine Möglichkeit, ihre Persönlichkeit weiter zu entwickeln und einen authentischen Führungsstil zu leben. Das bedeutet auch, das eigene Ego im richtigen Moment zurückzustellen. Sich selbst besser verstehen, indem man sich vergisst – das gehört zu den produktiven Widersprüchen des Zen.

Einfach anfangen

Mini-Steingärten für den Schreibtisch, Kalligraphien, puristisches Design: All das verbindet man hierzulande mit Zen, aber nichts davon braucht man wirklich, wenn man Zen praktizieren möchte. Alles was man tun muss, ist einfach nur sitzen und nicht denken. Wenn das denn so einfach wäre: Wer einmal versucht hat, 20 Minuten einfach nur zu sitzen und alles sein zu lassen, der weiß, dass die Gedanken oft gerade dann noch wilder durch den Kopf toben. „Ich muss die Zahlen von 2013 noch durchgehen.“ „Was präsentiere ich morgen im Meeting?“ „Was für ein Ärger.“

Die Kunst des Zen besteht darin, sich nicht an diesen Gedanken festzuhalten, sondern sie sanft vorbeiziehen zu lassen. Damit das gelingt, sollte man sich die Unterstützung eines Zen-Meisters suchen. In einem luxuriösen Umfeld kann man dies in Zen-Seminaren für Führungskräfte tun, wie sie von der Daishin-Zen-Schule, dem Benediktushof oder dem Schweizer Lassalle-Institut angeboten werden. Es genügt aber auch schon, einfach bei dem Treffen einer lokalen Zen-Gruppe vorbeizuschauen oder sich für ein Anfänger-Sesshin anzumelden. Der Lohn sind anregende Begegnungen – ob mit anderen oder mit sich selbst.

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