Meerbusch,
25
Februar
2019
|
12:00
Europe/Berlin

Auf kleiner Flamme: Wie die KYOCERA-Kocher zum Erhalt des Regenwalds beitragen

Zusammenfassung

Bis zu 50 Prozent weniger Feuerholz verbrauchen die effizienten Kocher, die im Rahmen des KYOCERA-Klimaschutzprojekts in Kenia entstehen. Damit tragen die KYOCERA-Kocher zum Erhalt des Regenwalds in der Siaya-Region bei. Wie genau dies funktioniert und welche der Rolle der Wald für die Menschen in Siaya spielt, hat sich die Journalistin Heike Janssen vor Ort angeschaut.**

 

Oben auf dem Lirhanda Hill stehend, hoch über dem Kakamega-Regenwald, kann sich der Besucher Kenias nicht vorstellen, dass der Wald verschwindet. Um rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf der runden Kuppe zu sein, muss man um 5 Uhr morgens mitten im Wald den schmalen Pfad hochsteigen, der zwischen Würgefeigen, Wacholderbäumen, Elgon-, Teak- und Mammutbäumen steil bergan führt. Die Bäume scheinen den Himmel zu berühren, und nur flackerndes Taschenlampenlicht verhindert einen Sturz über ihre knorrigen Wurzeln. Rechts und links im Unterholz raschelt, grunzt und grollt es, ab und zu leuchten phosphoreszierende Augen durch die Blätter. Gehören sie einem Leoparden oder doch nur einem kleinen Dikdik, einer hundegroßen Antilope?

"Die Menschen denken, er sei unendlich"

Dann öffnet sich auf einmal der Pfad und die Bergkuppe des Lirhanda Hill liegt grasbewachsen in der aufgehenden Sonne. Kühe grasen zwischen einzelnen niedrigen Bäumen. Der endlos scheinende Wald erstreckt sich jetzt zu unseren Füßen. „Kein Wunder, dass die Menschen denken, er sei unendlich und unerschöpflich“, sagt Anton Espira. „Wieso sollte er verschwinden?“, umschreibt der kenianische Biologe das Problem. Er hat sich dem Schutz des Waldes verschrieben. Kakamega ist das Überbleibsel des Regenwaldes in Kenia, einst bedeckte der tropische Wald das gesamte äquatoriale Afrika. Er liegt gleich neben dem Siaya-Distrikt, in dem KYOCERA das Tembea-Projekt unterstützt.

Unzählige schwarze Wipfel lugen wie Zipfelmützen aus dem wabernden Frühnebel. Das Kreischen von Affenhorden schwillt wellenförmig an und wieder ab und mit der aufgehenden Sonne ertönt immer lauter das Zwitschern der Vögel. Der Kakamega-Wald ist seit 1930 um fast 50 Prozent geschrumpft. Im Vergleich zu 1900, als er weite Teile des Westens von Kenia bedeckte, stehen nur noch 10 Prozent. Wenn das so weitergeht, ist der Wald bald unwiederbringlich verloren. Ökologisch ist das eine Katastrophe: Viele Pflanzen und Tierarten kommen in Kenia nur hier vor, Affen, Schmetterlinge, Orchideen oder Heilpflanzen. Die Kenianer leben seit Jahrhunderten symbiotisch mit ihrem Wald. Mit seinen Pflanzen behandeln sie Krankheiten wie Krebs, Asthma und Malariaund zelebrieren Rituale mit dem Gift der Pilze.

"Man muss ihr Leben verbessern, um Traditionen zu ändern"

Vor allem aber befeuern sie mit dem Holz ihre Kochstellen. Doch nie wurde mehr genutzt, als nachwuchs. Aber etwas hat sich verändert. Die Region ist jetzt eines der am dichtesten besiedelten ländlichen Gebiete der Erde. Die kenianische Regierung schützt den Wald mit Gesetzen.

Doch mehr als 60 Prozent der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. „Frauen, die Holz aus dem Wald holen und verkaufen, um das Überleben ihrer Familie zu sichern, können nicht gezwungen werden, über das Schicksal des Waldes nachzudenken. Man muss ihnen helfen, den Brennholzverbrauch einzudämmen. Aber zugleich muss sich ihr Leben verbessern, sonst ändern sie ihre Tradition nicht“, sagt Espira.Der Wald steht für das, was überall in Kenia geschieht. Der Brennholzverbrauch richtet in allen Landesteilen großen Schaden an. Die traditionellen 3-Steine-Kochstellen verbrauchen durch ihre offenen Feuer viel Holz.

Das KYOCERA Klimaschutz-Projekt im Video

„Stirbt der Wald, sterben auch wir“

Zu dem Brennstoff gibt es erst mal keine Alternative, denn Strom gibt es in den Hütten der Menschen auf dem Land so gut wie nie. Gas oder Öl sind unerschwinglich. Die derzeit beste Lösung sind energieeffiziente Öfen, die bis zu 50 Prozent weniger Holz benötigen. Aus Mangel an Ackerland roden die Bauern aber auch die Wälder, um neue Felder zu erschließen. Illegaler Einschlag von Tropenholz tut ein Übriges, oft gedeckt von Politikern, die daran Geld verdienen.Durch die Abholzung wird der Wassermangel in dem ohnehin vielerorts zu trockenen Land verschärft, ohne Bäume wird auch der Ackerboden weggeschwemmt oder verweht.

Die Abholzung geschieht aus Not und oft wider besseres Wissen, aus Mangel an Alternativen. Nur wenn den Kenianern andere Möglichkeiten aufgezeigt werden, kann die Abholzung gestoppt werden – Alternativen wie die holzsparenden Öfen des Tembea-Projektes, die zugleich Jobs schaffen, als Alternative oder Ergänzung zur Landwirtschaft.

Die Anwohner des Kakamega-Waldes versuchen mit zahlreichen Projekten, ihren bedrohten Wald zu retten. Anwohner können Setzlinge aus dem Wald kaufen, die sie großziehen und verkaufen. Ein kleiner Betrieb produziert Medikamente aus Waldpflanzen. Wilburforce Goodluck, ein großgewachsener 54-Jähriger mit weißem Bart, führt seit 30 Jahren Touristen und Kenianer durch den Wald. Er kennt jeden Baum, jedes Tier, jede Heilpflanze. „Stirbt der Wald, sterben auch wir“, sagt der gläubige Christ ernst.

Unten, auf dem Pfad zwischen den Riesenbäumen, ertönen auf einmal laute Stimmen: Schüler in blauen Uniformen zeigen auf blühende Orchideen, die oben in den Bäumen hängen. Dazwischen hüpfen schwarz-weiße Colobus-Affen. Die nächste Generation lernt hier, wie wichtig Bäume für ihr eigenes Leben sind und wie faszinierend die Biodiversität eines Regenwaldes ist.

Weitere Informationen und Hintergründe zum Projekt sowie Reportagen gibt es auf unserer Website www.printgreen.kyocera.de.