Meerbusch,
18
Februar
2019
|
12:30
Europe/Berlin

Ein Blick auf das KYOCERA-Klimaschutzprojekt in Kenia

Kleine Kocher - grosse Wirkung

Zusammenfassung

Im Rahmen des Programms „KYOCERA PRINT GREEN“ drucken KYOCERA-Kunden umweltfreundlich und klimaneutral. Einerseits werden die bei den Prozessen entstehenden Emissionen durch die ressourcenschonenden Systeme so klein wie möglich gehalten. Andererseits werden die verbleibenden Emissionen des Toners kompensiert. Dieser Ansatz entspricht dem ganzheitlichen Klimaschutzgedanken „Emissionen vermeiden, reduzieren und kompensieren“. Mit der Kompensation konnte im unterstützten Projekt im Westen von Kenia Großes bewirkt werden. Kai Landwehr, Marketingleiter von myclimate, beschreibt in einem persönlichen Bericht, wie es zu dem Projekt kam und warum dieses einen wirklichen Treiber von Wandel darstellt.

2013, also ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als die Zusammenarbeit mit KYOCERA PRINT GREEN begann, durfte ich das Klimaschutzprojekt „Weniger Abholzung des Regenwaldes dank effizienten Kochern“ persönlich besuchen. Damals hatte ich gerade bei myclimate angefangen. Die Aufgabe dort hatte mich von Beginn an begeistert. Vorher hatte ich wenig Berührungspunkte mit der Arbeit in einer NGO. Natürlich konnte ich mich vollkommen mit dem großen Ziel identifizieren, einen wirkungsvollen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten. Genau wie viele unserer Partner oder Menschen, denen ich von meiner Tätigkeit erzählte, hatte ich aber noch viele Fragen. Warum unterstützen wir Projekte, die so weit von den Orten entfernt liegen, an denen unsere Emissionen entstehen? Was bedeuten effiziente Kocher? Welche Wirkung kann es schon haben, eine eher primitiv wirkende Technologie zu fördern? Mein Besuch in Kenia hat mir nicht nur diese Fragen beantworten können. Seitdem sehe ich tatsächlich die Welt etwas mit anderen Augen.

Der Aufbau des Projektes ist relativ simpel erklärt. Im Südwesten Kenias, in der Region Siaya, ist das Leben sehr dörflich. Die Dörfer erstrecken sich rund um den Kakamega-Regenwald, das letzte Überbleibsel des Kongoregenwaldes auf kenianischem Boden. Eine zentrale Stromversorgung gibt es nicht. Das Land ist schön, grün und äußerst fruchtbar. Jede Familie hat dementsprechend Land, das sie bewirtschaftet. Sonstige Einkommensmöglichkeiten sind aber rar, die lokale Wirtschaft ist aufgrund ihrer Struktur und Lage wenig angebunden und schwach. Um die ganz elementaren Grundbedürfnisse Essen und Trinken zu decken, kochen die Familien Mahlzeiten und Wasser noch auf offenen Feuerstellen. Das ist allerdings nicht so eine romantische Angelegenheit wie bei einer Klassenfahrt, sondern ein beißend-rauchiger Vorgang. Dieser findet in separaten, wenig belüfteten Hütten statt und wird von Frauen im Beisein ihrer jüngeren Kinder betrieben.

 

Gut fürs Klima...

Im Rahmen des Projektes wird diesen Familien der „Einbau“ einer effizienten Kochstelle angeboten. Der Preis dafür schien mir lächerlich gering, würde zu normalen Konditionen aber eine große Investition für die betreffenden Familien bedeuten, deren Zusatzeinkommen gering und vor allem äußerst unregelmäßig ist. Jede effiziente Kochstelle mindert aber den Bedarf an Brennholz um rund die Hälfte. 50 Prozent weniger verbranntes Holz bedeutet pro Jahr eine signifikante Einsparung von CO2, wir reden da von über 2 Tonnen CO2 pro Kochstelle pro Jahr.

Diese Rechnung geht für das Klima auf. Daher geben wir dieser Einsparung einen Wert, der gegen Emissionen angerechnet wird, die z. B. in Deutschland bei der Herstellung, Nutzung und Austausch eines Toners entstehen. Diese „Anrechnung“ ermöglicht es, dass ein einheimisches Projektteam vor Ort operativ sein und die Kochstellen zu einem geringeren Preis anbieten kann. Die Investition ist für die Familie immer noch hoch, aber perspektivisch sinnvoll, wodurch die Nachfrage mittlerweile sehr hoch ist. So gut (für das Klima), so einfach.

 

... noch besser für die Menschen

Wirklich beeindruckt haben mich aber die unzähligen positiven Effekte, die mit dem Einbau dieser Kochstellen verbunden sind. Da ist einmal die Situation innerhalb der jeweiligen Familie. Auch wenn die „Technologie“ dahinter im Prinzip keine eigentliche ist, ist ihr Effekt bemerkenswert. In einer Hütte, wo noch traditionell gekocht wurde, habe ich es kaum fünf Minuten ausgehalten. Der allgegenwärtige Rauch beißt in Nase und Augen. Die Option, außerhalb eines Gebäudes zu kochen, ist keine, schließlich regnet es viel zu häufig. In den Hütten mit effizienten Kochstellen lässt es sich hingegen gut aushalten. Dass sich dadurch erheblich positive Effekte auf die Gesundheit der Frauen und Kinder einstellen müssen, sprang mir sofort ins Auge.

Bei der Fahrt durch die Dörfer sieht man immer Frauen und Kinder mit riesigen Holzbündeln. Teils sind diese kilometerweit unterwegs, denn der Baumbestand außerhalb des Regenwaldes ist rar. Der Wald selbst ist geschützt. Eine Holzentnahme dort ist sehr riskant, da die Strafen hoch sind und bis zu Gefängnis reichen können. Weniger Holzbedarf bedeutet also weniger Zeitaufwand fürs Sammeln. Zeit, die sich anderweitig viel sinnvoller investieren lässt.

Trotz Liebe zur Tradition unterscheiden sich die Ziele und Ambitionen aller Menschen, mit denen ich sprechen durfte, wenig von den eigenen: arbeiten, die eigene Lage absichern, den eigenen Lebensstandard verbessern und nicht zuletzt den eigenen Kindern ein gutes, weniger entbehrungsreiches Leben ermöglichen. Durch das Projekt gewinnen die Nutzer dafür Zeit – Zeit für Handwerk, Ackerbau, die „Vermarktung“ der eigenen Produkte oder für eigene Geschäftsmodelle.

Darüber hinaus ist eine komplette Wertschöpfungskette vor Ort entstanden. Der Ton für die Kochstellen wird vor Ort gewonnen und von heimischen Töpferinnen weiterverarbeitet. Die Installation erfolgt durch lokal ausgebildete Handwerker. Es braucht Fahrer, Buchhalter und weitere Angestellte, um das gewaltig große Projekt zu stemmen. Mittlerweile arbeiten mehr als 500 Menschen direkt oder als Dienstleister für das Projekt. 260.000 Menschen profitieren direkt in ihrem Leben von dem Projekt.

​Vidoereportage zu KYOCERA PRINT GREEN

Vor Ort versus global?

Nach nur wenigen Tagen und vielen Gesprächen mit den Menschen vor Ort wurde mir bewusst, was sich durch ein solches Projekt erreichen lässt. Klimaschutz, messbar und jährlich kontrolliert, ist die eine Seite der Medaille. Die Entstehung und Förderung eines solchen Ökosystems mit vielen greifbaren Vorteilen für die Menschen ist die eigentliche Kraft hinter einem solchen Projekt. Ein Projekt, das ohne die Kompensationsgelder nicht möglich wäre, da schlicht und ergreifend die Investitionsmittel für den Aufbau, die Vermarktung und die nutzergerechte Preisgestaltung fehlten. Das unterscheidet diese Projekte in Kenia oder andernorts in sich entwickelnden Ländern von Maßnahmen hier bei uns vor Ort.

Auch bei uns passiert vieles und es bleibt unsere Verantwortung, unser Leben und unser Wirtschaften umwelt- und klimabewusster zu gestalten. Auch hier gäbe und gibt es auch mögliche Projekte, deren Umsetzung tatsächlich an einer mangelnden Wirtschaftlichkeit oder Investitionssicherheit scheitert. Diese könnte man mit Hilfe freiwilliger Kompensationsgelder zu decken versuchen. Nur wäre der Mitteleinsatz ungleich höher, und diese positiven Nebenwirkungen auf Mensch und Umwelt blieben aus.

Ich sehe unsere Verantwortung als Personen, als Wirtschaft und als Gesellschaft darin, unsere eigenen Emissionen so weit wie möglich zu senken oder zu vermeiden. Für die Emissionen, die wir nicht vermeiden können, heißt es, Verantwortung zu übernehmen und sie anderweitig auszugleichen. Wenn wir durch diese Unterstützung nicht nur dem Klima helfen, sondern Menschen in anderen Ländern die Hand reichen, die eigene Lebenssituation eigenständig zu verbessern, dann erreichen wir deutlich mehr. Und wir kommen unserer Verantwortung nach, schließlich sind wir für einen größeren Teil des Problems Klimawandel verantwortlich. Auf der anderen Seite leiden gerade die Menschen rund um den Äquator in stärkerem Maße an dessen Auswirkungen.

Über dem Dach des Waldes

Diese Zusammenhänge sind mir vor Ort in Kenia deutlich bewusster geworden. Für solche Gedanken gibt es dort im Übrigen einen großartigen Ort: ein kleiner, vielleicht 100 Meter hoher Hügel mitten im erwähnten Kakamega-Regenwald. Dieser eröffnet einen fantastischen Blick auf den Wald, der durch das Projekt ebenfalls geschützt wird. Wen es einmal in die Region verschlagen sollte, dem kann ich diesen Ort nur ans Herz legen, ebenso wie einen Besuch und ein Gespräch mit den Leuten vor Ort. Wandel lässt sich erleben. Das Bewusstsein, diesen Wandel als verantwortungsbewusstes Unternehmen und verantwortungsvoller Konsument mit angestoßen zu haben, motiviert mich bis heute.