Meerbusch,
26
August
2019
|
13:56
Europe/Berlin

Wald in Gefahr: Wie steht es um die Umwelt in Kenia?

Zusammenfassung

Im Rahmen von KYOCERA Print Green unterstützt KYOCERA ein Klimaschutzprojekt im kenianischen Siaya-Gebiet. Durch den Vertrieb und die Produktion effizienter Haushaltskocher werden die lokalen Holzvorkommen geschont. Doch wie steht es eigentlich um den Regenwald und die Umwelt in Kenia? Die Journalistin Heike Jansen hat sich für uns vor Ort umgesehen.

Eine Stunde schon fahren wir durch fast menschenleere Landschaft, links und rechts wird die staubige Erde aufgewirbelt, vereinzelt wachsen magere Büsche und Bäume in kleinen Inseln, Ziegen und magere Rinder kauen an den wenigen gelben Grasbüscheln. Wir sind auf dem Weg zur Massai Mara, dem größten Naturschutzgebiet Kenias.

In der Savanne leben Leoparden, Geparden, Löwen, Giraffen, Elefanten und zahlreiche Vogelarten in seltener Fülle. Immer wieder bietet sich uns ein bizarrer Anblick, wenn wir uns kleinen Ansammlungen von Häusern und Hütten nähern. In den Büschen hängen Tausende Plastiktüten wie bunte Blüten. Diese hauchdünnen Verpackungen wehen überall herum in Kenia, in ganz Afrika – egal was man kauft, alles wird in eine schwarze, orangene oder blaue Tüte gestopft. Für die Umwelt ist das katastrophal. Das Plastik landet im Boden, gelangt in Seen und Flüsse, Ziegen und Rinder fressen sie auf und verenden. Es verstopft Abflüsse und in den Tüten sammelt sich Wasser, in dem Malariamücken sich vermehren.

Beim Umweltschutz ist Kenia vorne mit dabei

„Die Bezirksregierung ist korrupt, sie erhält Geld für Müllbeseitigung, aber nichts passiert“, sagt der Chief der Massai in dem kleinen Dorf am Rand des Naturparks. Die gute Nachricht: Seit September sind zumindest die hauchdünnen Tüten, die sich leicht über den Wind weitertragen lassen, in Kenia verboten. Ob und wie das durchgesetzt werden kann, ist fraglich. Viele Unternehmen verdienen Geld mit den Tüten und hatten das neue Gesetz bislang verhindert.

In Sachen Umweltschutz ist die kenianische Regierung aber in Afrika vorne mit dabei. Zusammen mit der Afrikanischen Union setzt sich Kenia oft an der Seite der EU in internationalen Verhandlungen für Umweltbelange ein. Nicht zuletzt wohl, weil die Hauptstadt Nairobi Sitz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP ist.

Recht auf eine saubere Umwelt

In der kenianischen Verfassung ist das „Recht auf saubere und gesunde Umwelt“ als Grundrecht verankert. Bis 2030 soll laut „Vision 2030“ Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt sein. Mit dem „Climate Change Action Plan“, der seit 2013 in Kraft ist, will Kenia seinen internationalen Verpflichtungen zur Emissionsminderung und zum Klimaschutz nachkommen.

Das ist bitter nötig, denn Klimawandel, Luftverschmutzung, Müll und Abholzung bedrohen die Lebensgrundlagen der Bevölkerung. Kenia ist Transitland, lange LKW-Schlangen verstopfen die großen Verbindungsstraßen. Die meisten Kenianer reisen in den Sammelbussen, und kaum ein Auto entspricht hier irgendeiner Abgasnorm. Besonders Nairobi kollabiert täglich unter Massen von Pendlerautos, deren Fahrer Stunden in Staus einplanen müssen.

Klimawandel bedroht Lebensgrundlage der Bevölkerung

Auch die notwendige Industrialisierung belastet die Umwelt. Ein halbe Million Kenianer leben von der Blumenindustrie. Wer weiß schon, dass ein Großteil der Valentinstag-Rosen aus Kenia stammt? Sie werden im Rift Valley angebaut, um den Naivasha-See herum. Anwohner des einzigen Süßwassersees der Region beklagen, dass Pestizide und Dünger ungefiltert ins Wasser eingeleitet werden und ihre Tiere sterben. Sie werfen kenianischen Politikern vor, die Einhaltung der Umweltschutzrichtlinien nicht einzufordern, weil sie selbst von der Blumenindustrie profitieren.

Ein Indiz, dass tatsächlich Dünger in den See fließt, ist die Ausbreitung der Wasserhyazinthe, die in überdüngten Gewässern gut gedeiht und zeitgleich mit dem Aufbau der Blumenindustrie in den Gewässern auftrat.

Alt werden die Menschen, die im Müll leben, nicht

Eine Folge der Industrialisierung und des steigenden Konsums sind die Müllhalden. In der Dandora-Müllkippe in einem Slum von Nairobi landet ein Teil des Abfalls der Millionenstadt. Die Müllkippe ist Herd für Krankheiten und Gestank, aber auch Lebensgrundlage für viele tausend Slumbewohner. Sie suchen in dem Unrat nach Verwertbarem. Essenreste für Schweine, PET-Flaschen, wertvolle Rohstoffe aus Elektromüll.Aus Papier, Sägespänen und Wasser wird eine Masse angerührt, aus der Briketts entstehen. Nur absolut nicht Verwertbares wird verbrannt. Ein kompliziertes Geflecht aus Müllsammlern, Organisatoren, Polizisten und Politikern, die die Hand aufhalten, ist so entstanden. Alt werden die Menschen, die im Müll leben, nicht.

Abholzung ist größte Gefahr

Eine direkte Bedrohung der Lebensgrundlagen der Bauernfamilien, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachen, ist die Abholzung. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft. Die Regierung und NGOs versuchen mit Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogrammen den restlichen Baumbestand zu schützen. Auch KYOCERA hilft durch das Tembea-Projekt, den Menschen im Siaya-Distrikt im Westen des Landes Alternativen zur Abholzung aufzuzeigen – durch holzsparende Öfen zum Kochen, durch Umweltbildung und Aufforstung.

Der verschwindende Wald hat Trockenheit und Bodenerosion zur Folge. Im Norden Kenias herrscht dramatische Trockenheit. Selbst in Nairobi ist sie zu spüren, wenn verzweifelte Nomaden ihre Rinder auf den Grünstreifen der Straßen weiden lassen, weil sie außerhalb der Stadt keine Weidegründe mehr finden.

Wenn der Wald verschwindet

Im Baringo County im Rift Valley sind Unruhen ausgebrochen. Touristen kommen selten in die betroffenen Gegenden, wie ausgestorben sind die Straßen dort im Februar 2017, zu beiden Seiten erstrecken sich verdorrte Flächen, auf denen einmal Gras wuchs. Magere Rinder und Ziegen klettern durch Flussbetten, in denen nur noch Rinnsale fließen, dort wächst am ehesten noch etwas Grün, dort gibt es noch Blätter an den Büschen und Bäumen. Wir sehen Menschen, die unter Bäumen im Schatten sitzen und auf bessere Zeiten warten. Sie können selbst wenig tun, um ihre Lage zu ändern.

Weil das Vieh stirbt, überfallen bewaffnete Banden Nachbardörfer, um Tiere zu stehlen. Auf der Fahrt zu einem Umweltprojekt in einem Naturpark werden wir von bewaffneten Soldaten begleitet. Viele Menschen im Norden sind auf internationale Hilfe angewiesen, die Nachrichten in Deutschland zeigen Wüstensand mit eingefallenen Tierkadavern. Wieweit auch die kenianische Regierung an dem Unglück der Viehhirten Schuld trägt, ist schwer zu ermessen.