Meerbusch,
15
April
2019
|
10:30
Europe/Berlin

Zwei Welten zugleich: Alltag in Kenia

Zusammenfassung

Als Mitglied der "Allianz für Klima und Entwicklung", ist es das Ziel von KYOCERA die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen. Eine Beispiel hierfür ist das PRINT-GREEN-Programm. Dadurch fördert KYOCERA ein Gold-Standard-Klimaschutzprojekt in Kenia. In dessen Rahmen werden im kenianischen Siaya-Gebiet effiziente Haushaltskocher gefertigt und vertrieben. Das Projekt leistet damit nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz: Auch die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort werden durch das Projekt verbessert. Doch wie muss man sich das Leben und den Alltag in Siaya überhaupt vorstellen? Die Journalistin Heike Janßen war für uns vor Ort, um genau dies herauszufinden.

Der hellbraune Bulle trottet langsam den Weg entlang. Das Stimmengewirr um das Tier herum, hämmernde Musik aus einem Radio, die vielen Farben – nichts scheint den Bullen zu beeindrucken oder gar aggressiv zu machen. Und die Marktverkäufer rechts und links, an denen er vorbeizieht, schenken wiederum ihm keine Beachtung.

Der Markt als Lebensmittelpunkt

Nicht die Frau, die auf einer meterlangen bunten Decke sitzt und um sich herum Dove-Seife, Nivea-Shampoo und bunte Nagellacke drapiert hat, dazu Toilettenpapier, Babywindeln und Garnrollen; auch nicht die Verkäuferin neben ihr, die dicke rote Tomaten und lilafarbene fette Avocados auf dem Holztisch vor sich zu einem Berg gestapelt hat. Ein Mann hat gebrauchte und neue Schuhpaare auf dem Boden sortiert und zwei Frauen sitzen auf Plastikstühlen unter einem einfachen Holzdach, an dem sie Second-Hand-Kleidung an Bügeln aufgehängt haben.

Wir sind auf dem Markt in Ugunja, im Westen Kenias, nahe der ugandischen Grenze. Auch Franziska beeindruckt der freilaufende Bulle nicht. Sie zieht einen kleinen Karren mit großen getrockneten Tilapien hinter sich her. Fische, die sie in Kisumu am Victoriasee gekauft hat. Aus ihren schwerfälligen Bewegungen spricht jahrzehntelange Feldarbeit. An einem freien Platz stellt Franziska einen Klappstuhl auf, legt den Fisch auf eine Plane und wartet auf Kundschaft. Manche Händler kommen wie sie nur ein- oder zweimal pro Woche, die meisten aber sind jeden Tag hier, wie der Apotheker, der einen gemauerten Laden besitzt und vor seinem gut sortierten Medikamentenregal stehend durch das kleine vergitterte Fenster freundlich seine Kunden berät.

Bevölkerungswachstum und Klimawandel sind große Herausforderungen

Wer in Kenia über Land fährt, kommt immer wieder durch solche kleinen Ansiedlungen, die von einer geteerten zweispurigen Straße durchschnitten sind. Auf dieser quälen sich lange LKW-Schlangen durch ein Gewirr von Motorrädern und Radfahrern, an Menschen vorbei, die Karren ziehen oder schieben, Frauen, die Gemüsekörbe auf dem Kopf balancieren, oder Kindern, die in einheitlichen Schuluniformen in einer langen Reihe hintereinander den Straßenrand entlangwandern.

Der Markt ist Treffpunkt und riesiges Einkaufszentrum unter freiem Himmel, in dem die Kunden alles kaufen können. Entlang verschlungener Sandwege finden sie Stände mit Batterien und gebrauchten Ladekabeln für Handys aller Generationen und selbstverständlich auch verschnörkelte Gartentore aus Metall – die werden allerdings erst auf Anfrage geschmiedet. Marktflecken wie Ugunja haben ihre Einwohnerzahl in den letzten 20 Jahren teilweise verdreifacht. Das liegt daran, dass immer weniger Menschen vom Ertrag ihrer Felder leben können – Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Abholzung sind die Ursachen.

 

Schere zwischen Arm und Reich

Kenias Wirtschaft wächst, das Land wird als afrikanischer Löwe bezeichnet, analog zu den asiatischen Tigerstaaten. Doch zugleich klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander. Während eine kleine, oft korrupte Oberschicht westlichen Luxus genießt, leben Millionen von Kleinbauern nach wie vor auf dem Land. Ein kleiner Flecken Ackerland, auf dessen roter Erde sie Mais, Bananen oder Bohnen anbauen, ist ihre Überlebensgrundlage. Wie Franziska geht es hier vielen: Verkäufe auf dem Markt sind ihre einzige Möglichkeit, an Bargeld zu gelangen, für Arztbesuche, ein neues Huhn, eine Hacke für die Gartenarbeit oder Schulbücher und Schuluniformen für ihre Enkelkinder. Nur die Grundschule ist kostenlos. Viele Kinder haben nicht die Möglichkeit, höhere Schulen zu besuchen, weil ihre Eltern zu arm sind.

Der Alltag der Menschen ist mühsam: Morgens um 5, lange vor Sonnenaufgang, beginnen Männer und Frauen mit der Feldarbeit, tagsüber ist es viel zu heiß. Frauen und Mädchen müssen Holz sammeln für die Kochstellen und Wasser aus Brunnen heranschleppen.

Mehr als 90 Prozent der Menschen im Siaya-Distrikt haben keinen Zugang zu Strom. Wenn die Sonne untergegangen ist, zwischen sechs und sieben Uhr abends, spenden nur noch Feuer oder Kerosinlampen Licht. Zum Tembea-Projekt gehört auch der Verkauf von günstigen Solarlampen, die besonders Schulkindern abends das Lernen ermöglichen.

Der Alltag in Kenia ist vor allem eines: mühsam

Viele Kenianer wohnen in Lehmhäusern mit Grasdach. Ein Steinhaus ist Statussymbol und Lebenserleichterung, denn es ist sehr viel haltbarer und muss nicht ständig ausgebessert werden. Auch ein Motorrad oder ein Wassertank auf dem Dach zeigen, dass der Besitzer es geschafft hat. Zudem erspart ein Motorrad lange Fußwege, der Wassertank den Gang zum Brunnen.

Franziska konnte sich mit Hilfe der Kleinkreditgruppen, die im Rahmen des KYOCERA-Klimaschutzprojekts entstehen, ein paar Hühner kaufen. Sie besitzt auch eine Kuh, deren Milch sie verkauft. Eine Kuh, Hühner und Ziegen sind von unvorstellbarem Wert für die Bauernfamilien. Fleisch, Milch und Eier dienen als wichtige Nahrungsergänzung.

Das tägliche Essen ist einfach: Meistens gibt es Ugali, einen ziemlich festen Maisbreiklumpen, der mit den Händen in eine Sauce getunkt wird, damit er Geschmack bekommt. Dazu gibt es Kochbananen, Süßkartoffeln, Okra und Bohnen, Sukuma Wiki, ein grünes Gemüse mit hohem Vitamingehalt, oder gekochte Blätter, zum Beispiel von Kürbissen oder Erbsen. An guten Tagen kommt Rind-, Hühner- oder Ziegenfleisch oder Fisch auf den Teller.

 

Improvisationstalent gefragt

Durch den Alltag zu kommen und Geld zu verdienen, erfordert Fantasie, Improvisationstalent und Geschick. Rechts und links der Hauptstraßen stehen in den Dörfern reihenweise schwere Sessel im Gras, verzierte Holzbetten oder Kinderstühle – ein Möbelgeschäft, fast alles ist selbst gezimmert und geleimt. Die Handwerker können das meiste nachbauen, was man ihnen auf Fotos zeigt. Für einen Tisch, einen Sessel, ein Fahrrad müssen die Menschen lange sparen oder sich Geld leihen, alles ist darum wertvoll. Was kaputt ist, wird mit Bordmitteln geflickt, Männer reparieren am Straßenrand Räder, zerlegen alte Autos und Motorräder, kein Ersatzteil verschwindet hier auf dem Müll, Recycling ist selbstverständlich. Autowaschanlagen bestehen hier aus einem Wasserhahn, einem Eimer, viel Schaum und Männern mit Schwamm und Poliertuch.

Wenn Franziska nach Kisumu an den Victoriasee fährt, nimmt sie den Matanza, den Sammelbus. Sie quetscht sich dann neben die anderen Reisenden, neben volle Körbe und manchmal ein paar Hühner in das überhitzte Gefährt, bei dem oft eine Seitentür offen steht, aus der noch ein paar Passagiere halb heraushängen – solange es langsam durch die Dörfer geht. Auf den überfüllten zweispurigen Fernstraßen wäre das Wahnsinn. Hier überholen sich LKW, Geländewagen und Motorräder waghalsig, schwere Unfälle sind häufig. Radfahrer und Fußgänger nutzen lieber einen Extraweg neben der Fahrbahn, wenn vorhanden.

Landflucht

Millionen Kenianer fliehen vor dem schweren Leben auf dem Land in die Städte, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, einen Aufstieg. Wer Glück hat, landet in einer regulären Siedlung, in der es meist Wasser und Strom gibt. Doch Millionen verelenden in den informellen Siedlungen, sie leben in Baracken und notdürftigen Unterständen. Nairobis Slums gehören zu den größten der Welt, in ihnen herrscht Rechtlosigkeit und unbeschreibliches Elend. Nur wenige haben das Glück, einen Job zu finden, in einer Sicherheitsfirma etwa, deren Zahl wegen der steigenden Gewaltkriminalität wächst, oder in Haushalten der reichen Kenianer und der Mitarbeiter internationaler Organisationen.

Die meisten Kenianer leben in zwei Welten zugleich: Sie sind ihrer Tradition verhaftet, fühlen sich einer der 40 Ethnien wie Kikuyu oder Luo zugehörig. Sie wählen Politiker aus ihrer Gesellschaftsgruppe und verlassen sich bei der Jobsuche oder in Krisen auf ihre Leute. Manchmal behindert das die Entwicklung, lässt nicht die Besten an die wichtigen Jobs kommen, sondern die Verwandten.

Koexistenz von Tradition und Moderne sind kein Widerspruch

Für die Besucher aus Europa passt der Anblick eines Massaikriegers, der in die traditionellen rotkarierten Decken gewandet sein Vieh hütet, nicht in die Schublade, wenn er ein Smartphone aus der Ledertasche zieht. Doch das ist auch Kenia – die Koexistenz von Tradition und Moderne sind kein Widerspruch, 93 Prozent der Bevölkerung nutzen laut Weltbank Mobiltelefone, mehr als 70 Prozent überweisen oder empfangen Geld damit – mit Hilfe von Mpesa, dem kenianischen Paypal.

Trotz aller Mühen und mancher Ungerechtigkeit sind die meisten Kenianer ausgesprochen freundlich. Es ist immer Zeit für die Frage nach dem Befinden der alten Mutter, für einen Plausch mit den ausländischen Besuchern, für ein warmes Lächeln, einen Scherz oder auch herzliches lautes Lachen.

 

Weitere Informationen zum Programm KYOCERA PRINT GREEN sowie weitere Reportagen aus Kenia gibt es hier. Hier haben Sie als KYOCERA-Kunde auch die Möglichkeit, die CO2-Emissionen Ihrer KYOCERA-Drucker und -Multifunktionssysteme zu neutralisieren. Damit leisten Sie einen Beitrag für das Klimaschutzprojekt in Kenia.